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BAWBrief 2012/02: Untersuchungen zum Einsatz von Mikrohohlkugeln in Beton als Alternative zum Luftporenbeton

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1 Problemstellung und Ziel

Bei der Herstellung von Luftporenbetonen für Bauvorhaben der WSV sind in der Vergangenheit immer wieder Schwierigkeiten aufgetreten, den an der Einbaustelle angestrebten Luftgehalt über einen angemessenen Zeitraum zielsicher einzuhalten. Eine nicht unerhebliche Zahl von Lieferungen musste auf Grund unzureichender Luftgehalte bereits an der Übergabestelle Transportbetonhersteller – bauausführende Firma zurückgewiesen werden. Die Einflüsse auf die Luftporenbildung und -stabilität bei klassischem Luftporenbeton mit Luftporenbildner sind vielfältig und können grob in ausgangsstoffbezogene und herstell- bzw. einbaubedingte Ursachen eingeteilt werden. Eine Rückführung der Probleme auf einzelne Aspekte ist oft mit Schwierigkeiten und großem Aufwand verbunden.

Von ausgangstoffbezogener Seite können sich durch die steigende Vielfalt der Zemente, Betonzusatzstoffe und -mittel und deren Kombinationsmöglichkeit zahlreiche Wechselwirkungen ergeben, welche die Luft- porenbildung beeinflussen. Langzeiterfahrungen und Kenntnisse über diese Wechselwirkungen sind häufig nicht gegeben.

Wünschenswert wäre daher ein System, das robust gegenüber schwankenden Herstellbedingungen und Wechselwirkungen mit anderen Ausgangsstoffen ist, gleichzeitig aber eine ausreichende Dauerhaftigkeit bei Baumaßnahmen im Bereich der WSV unter den dort zu erwartenden Randbedingungen aufweist. Mikrohohlkugeln (MHK) als etwaige Alternative zu Luftporenbildnern sind im Regelwerk der DIN EN 206-1 (DIN, 2001) in Verbindung mit DIN 1045-2 (DIN, 2008) nicht geregelt. Ihr Einsatz ist aber über eine Allgemeine Bauaufsichtliche Zulassung (abZ), die durch das Deutsche Institut für Bautechnik (DIBt) erteilt wird, möglich und bietet unter Umständen diese günstigen Randbedingungen.


Betonbauwerke oder Bauabschnitte von Betonbauwerken im Bereich der WSV werden hinsichtlich des Frostangriffes häufig in die Expositionsklassen XF3 oder XF4 nach DIN 1045-2 bzw. ZTV-W LB 215 (BMVBS 2008a) oder ZTV-W LB 219 (BMVBS 2008b) eingeordnet, in denen die Verwendung von Luftporenbeton ausdrücklich vorgeschrieben ist (XF4) oder dieser im Bereich der WSV vorzugsweise eingesetzt wird (XF3). Von den o. g. Problemen, die beim Einsatz von Luftporenbeton beobachtet werden, ist deshalb eine große Anzahl der Baumaßnahmen im WSV-Bereich betroffen. Der alternative Einsatz von MHK könnte bei entsprechender Eignung Abhilfe schaffen.

Im Rahmen eines FuE-Vorhabens (Spörel, 2010) wurde der Frage nachgegangen, ob und in welchen Anwendungsbereichen der WSV der Einsatz von MHK mit abZ des DIBt eine Alternative zum herkömmlichen Luftporenbeton sein kann und unter welchen Voraussetzungen ein Einsatz möglich ist.

2 Vorgehensweise

Die Bildung und Stabilität von künstlichen Luftporen im Beton durch Luftporenbildner (LP) beruht auf der Wirkung der LP-Moleküle mit der eingeschlossenen Luft und der wässrigen Phase des Frischbetons. Bei den im Rahmen der Untersuchungen eingesetzten MHK handelt es sich um eine Paste, bestehend aus elastischen Mikrohohlkugeln und Wasser mit Acrylnitril-Polymeren als Wirkstoffbasis. Die Dichte gemäß Zulassung beträgt 200 ± 15 kg/m³. Die Mikrohohlkugeln werden den Betonzusatzmitteln zugeordnet und dem Beton während des Mischvorgangs zugegeben und im Frischbeton verteilt. Im Rahmen der Untersuchungen wurden folgende Aspekte berücksichtigt:

  • Zusammenstellung von Erfahrungen der WSV mit MHK älterer Generationen (PVC-haltig), damals noch ohne abZ des DIBt.
  • Überprüfung der Beeinflussung der Wirksamkeit von MHK durch herstell-, transport- und einbaubedingten Einwirkungen sowie Wechselwirkungen mit Bindemitteln oder anderen Betonzusatzmitteln über Laborversuche und einen Bauteilversuch.
  • Einbeziehung eines alternativen Prüfverfahrens zur Bestimmung des MHK-Gehaltes. Das Nachweisverfahren am Frischbeton für klassischen Luftporenbeton kann nicht auf den MHK-Beton übertragen werden, da der dort verwendete Luftporentopf zur Bestimmung des Luftporengehaltes nicht zum Nachweis der MHK geeignet ist. Grenzwerte zur Erzielung eines ausreichenden Frost- bzw. Frost-Tausalz-Widerstandes sind jedoch in keinem Regelwerk verankert, sodass hier die Vorgehensweise entsprechend der abZ in Kombination mit dem Vorgehen nach ZTV-W LB 215 gewählt wurde.
  • Beantwortung der Frage, ob die derzeit in der abZ des DIBt festgelegten Vorgehensweisen für den Einsatz im Bereich der WSV übernommen werden können, um gleichwertige oder günstigere Eigenschaften wie beim klassischen Luftporenbeton sicherzustellen.

3 Laboruntersuchungen

3.1 Allgemeines

Die vollständigen Untersuchungen sind ausführlich im FuE-Bericht A39510370002 (Spörel, 2010) dargestellt. Hier werden Informationen zu den untersuchten Betonzusammensetzungen, zum Nachweisverfahren der MHK im Frischbeton, welches auch für die Bauüberwachung zum Einsatz kommt, sowie Erkenntnisse zur Druckfestigkeit und zum Frostwiderstand zusammengefasst.

3.2 Betonzusammensetzung

Der Einsatz von MHK nach abZ wird derzeit u. a. basierend auf Ergebnissen von Untersuchungen mit dem CDF-Test, einem Prüfverfahren zur Beurteilung des Frostwiderstandes von Beton in Verbindung mit Taumitteln bzw. Meerwasser (Expositionsklasse XF4), geregelt. Allerdings kam hier noch nicht der CDF-Test gemäß BAW-Merkblatt (BAW, 2004) zur Anwendung, bei dem neben der Abwitterung auch die innere Schädigung über den relativen dynamischen E-Modul bestimmt wird. Aus diesem Grund ist die abZ unter dem Aspekt „Frostwiderstand“ für den Bereich der WSV weder für die Exposition XF4 noch für die Exposition XF3 ausreichend. Im Untersuchungsprogramm des FuE-Vorhabens wurde der Schwerpunkt auf Betone gelegt, deren Zusammensetzung sich an den Grenzwerten der Zusammensetzung nach ZTV-W LB 215 bzw. 219 für die Expositionsklasse XF3 anlehnt. Als Bindemittel kam ein CEM III/A 32,5 N mit nach Herstellerangabe 40 M.-% Hüttensandanteil zum Einsatz. Weiterhin wurde eine Flugasche nach DIN EN 450 eingesetzt. Der Wasserzementwert wurde an der oberen Grenze für die Expositionsklasse XF3 zu 0,55 gewählt, bei Verwendung von Flugasche (75 kg/m³) unter Anrechnung der Flugasche. Der Zementgehalt lag mit 300 kg/m³ an der unteren Grenze nach Richtlinie „Massige Bauteile“ des Deutschen Ausschusses für Stahlbeton (DAfStb, 2005). Die weitergehenden Möglichkeiten gemäß ZTV-W LB 215 für bestimmte Bauteile wie beispielsweise Schleusenkammerwände wurden nicht ausgenutzt. Bei den Rezepturen mit Flugasche wurde von der gemäß DIN 1045-2 zulässigen Absenkung des Zementgehaltes auf 270 kg/m³ Gebrauch gemacht. Das Größtkorn lag bei 32 mm. Die Dosierung der MHK wurde in einer Variante mit 3,5 kg/m³ an der oberen Grenze gemäß abZ sowie in einer Dosierung von 1,5 kg/m³ gewählt. Als Referenzbeton wurde die Betonzusammensetzung jeweils auch ohne Zugabe der MHK untersucht. Verglichen wurden die Betoneigenschaften mit einem herkömmlichen LP-Beton mit einem Zielluftgehalt von 5,0 Vol.-%. Die Betone wurden unter Einsatz eines Betonverflüssigers hergestellt. Eine Übersicht der Betonzusammensetzungen gibt Tabelle 1.

Tabelle 1: Übersicht der untersuchten Betonzusammensetzungen
Tabelle 2: Betonzusammensetzungen zur Untersuchung besonderer Herstellbedingungen












In weiteren Einzelversuchen wurde das Verhalten der MHK unter bestimmten Herstellrandbedingungen untersucht. Untersuchungsaspekte waren ein etwaiges Aufschwimmen der MHK, das Verhalten unter intensiver Mischbeanspruchung sowie bei einer Stickstoffkühlung, wie sie bei Baumaßnahmen der WSV bei Bedarf zur Reduzierung der Frischbetontemperatur zum Einsatz kommen kann. Ziel dieser Versuche war es, Hinweise zu erhalten, die für eine eventuelle Beeinträchtigung der Wirksamkeit der MHK von Bedeutung sein können. Die Betonzusammensetzungen dieser Versuchsreihen enthält Tabelle 2.

Bild 1: Prüfeinrichtung sowie Ablesung von Luftgehalt und MHK-Gehalt

3.3 MHK-Nachweis im Frischbeton

Ein Nachweis der MHK mit dem Luftporentopf ist nicht möglich, da das eingebrachte Volumen der MHK zu gering ist, um dieses mit dem Druckausgleichsverfahren differenziert erfassen zu können. Geeignet ist die volumetrische Messung nach ASTM C173/C173M (2009). Das Prüfgerät besteht aus einem Behältnis, in welches Beton eingefüllt wird, einem Aufsatz und einem Ableserohr. Bild 1 zeigt das im Rahmen der Untersuchungen eingesetzte Gerät sowie ein Ablesebeispiel für den Luftgehalt und den MHK-Gehalt.

Bei den Frischbetonuntersuchungen hat sich gezeigt, dass mit der Methode die unterschiedlichen Dosierungen von 1,5 kg/m³ und 3,5 kg/m³ mit Ablesewerten von im Mittel 0,9 bzw. 1,8 Vol.-% abgebildet werden. Ein zulässiger Streubereich für eine gewählte Zugabemenge sollte im Rahmen der Eignungsprüfung ermittelt werden. Mit dem Luftporentopf, der für klassischen LP-Beton verwendet wird, wurden jeweils mittlere Luftgehalte von etwa 1,3 Vol.-% ermittelt. Eine Differenzierung war somit nicht möglich.

Bei den Versuchsreihen zur Überprüfung des Aufschwimmverhaltens wurde untersucht, ob die MHK bei sehr weichen Betonen auf Grund der geringen Dichte zum Aufschwimmen neigen und ggf. eine ungleichmäßige Verteilung der MHK über die Bauteilhöhe zu erwarten ist (Mischung 9 und 10). Eine Überprüfung an einem befüllten Betonrohr hat keine Auffälligkeiten gezeigt.

Der Einfluss einer intensiven mechanischen Beanspruchung durch den Mischvorgang wurde an einem steifen Beton mit verlängerter Mischdauer untersucht (Mischung 11). Der Ablesewert verringerte sich etwa auf ein Drittel. Dies weist eindeutig auf eine Beeinträchtigung hin. Eine mikroskopische Untersuchung der MHK hat zudem gezeigt, dass diese nach dem verlängerten Mischvorgang größtenteils zerstört waren (siehe Bild 2). Dies bedeutet, dass auch zerstörte MHK im Versuch aufschwimmen und in den Ablesewert eingehen. Ob diese verformten bzw. zerstörten MHK dennoch den Frostwiderstand sicherstellen können, wurde über Festbetonuntersuchungen überprüft.

Bei den Untersuchungen zur Stickstoffkühlung (Mischung 12) fand eine Reduzierung des Ablesewertes etwa auf die Hälfte statt. Dies wurde vermutlich ebenfalls durch die für den Kühlvorgang erforderliche lange Mischzeit verursacht.

Beim Pumpversuch bei der Bauteilherstellung (Mischung 13) wurde dagegen, allerdings bei einer sehr weichen Konsistenz im Übergangsbereich F4/F5, keine Beeinträchtigung des Ablesewertes festgestellt.

Insgesamt haben die Frischbetonuntersuchungen gezeigt, dass mit dem Nachweisverfahren reproduzierbare Ergebnisse geliefert und Beeinträchtigungen erfasst werden können.

BAWBrief 02-2012 Bild2.png

3.4 Druckfestigkeit

Die Ergebnisse der Druckfestigkeitsprüfungen fasst Bild 3 für die flugaschehaltigen Betone zusammen. Der Einfluss der MHK bzw. der künstlichen Luftporen auf die Festigkeit geht eindeutig hervor. Die Festigkeitsverluste sind bei den MHK-Betonen jedoch geringer ausgeprägt als beim LP-Beton. Ursache für die Festigkeitsverluste ist das eingetragene Luftvolumen. Da dies beim LP-Beton größer ist als beim MHK-Beton, sind auch die Festigkeitsverluste beim LP-Beton größer. Während der LP-Beton im Bemessungsalter von 56 d etwa als C20/25 eingeordnet werden könnte, wäre beim MHK-Beton die Einstufung in die Festigkeitsklasse C25/30 möglich. Die Festigkeitsreduzierung durch die MHK liegt hier etwa bei 15 %. Ähnliche Größenordnungen wurden auch in (Dörfel, 2010) festgestellt.

3.5 Porengefüge und Frostwiderstand

Das Porengefüge beeinflusst Transportvorgänge wie die Wasseraufnahme oder die Verdunstung von Wasser aus dem Beton und damit auch Betoneigenschaften wie beispielsweise den Frostwiderstand. Bei den künstlichen Luftporen und den MHK wird davon ausgegangen, dass diese das Kapillarporengefüge im Beton unterbrechen und damit die Wasseraufnahmefähigkeit des Betons reduzieren. Dies erhöht den Frostwiderstand. Bei guter Verdunstungsmöglichkeit von Wasser aus dem Porengefüge können sich für einen Frostangriff möglicherweise kritische Sättigungsgrade schneller abbauen.

Die hier untersuchten Betone wurden für die Expositionsklasse XF3, Frostangriff bei hoher Wassersättigung, zusammengesetzt. Trotzdem wurde im Rahmen der Untersuchungen auch der Frost-Tausalz-Widerstand mit dem CDF-Test untersucht, um die grundsätzlichen Aussagen und Verfahrensweisen auch für diesen Fall hinterfragen zu können. Auf die Ergebnisse wird an dieser Stelle nicht eingegangen, sondern es wird auf den FuE-Bericht verwiesen.

Bild 3: Druckfestigkeitsentwicklung der Betone
Bild 4: An CIF-Test-Prüfkörpern ermittelten Sättigungsgrade vor Beginn und nach Abschluss des kapillaren Saugens sowie nach 28 Frost-Tau-Wechseln

Die Wirksamkeit künstlicher Luftporen wird durch deren Größe und Verteilung bestimmt. Zur Überprüfung können am Festbeton Luftporenkennwerte bestimmt werden. Anforderungen an diese Luftporenkennwerte für frostbeständige Betone werden im Merkblatt Luftporenbeton der FGSV (2004) genannt. Während der hier untersuchte Luftporenbeton die Anforderungen an den Abstandsfaktor von 0,2 mm und den Mikroluftporengehalt von 1,5 Vol.-% erfüllt, ist dies bei den untersuchten MHK-Betonen fast ausnahmslos nicht der Fall. Dies würde auf einen nicht ausreichenden Frostwiderstand der MHK-Betone hinweisen und wurde daher über die unten dargestellten Frostprüfungen weitergehend untersucht.

Bild 4 zeigt die an den Frostprüfkörpern ermittelten Sättigungsgrade vor Beginn und nach Abschluss des kapillaren Saugens sowie nach Beendigung des CIF-Tests. Die Lagerung der Prüfkörper erfolgte gemäß BAW-Merkblatt „Frostprüfung“ (BAW, 2004) (14 d Was- ser, 42 d 20°C/65 % r. F.).

Während der 42-tägigen Trockenlagerung trockneten die Prüfkörper entsprechend ihrem Porengefüge unterschiedlich stark aus. Der Sättigungszustand kann neben dem Porengefüge dementsprechend bei Prüfbeginn unterschiedlich sein und somit die Prüfergebnisse beeinflussen. Die Ergebnisse zeigen, dass der Sättigungszustand des LP-Betons deutlich geringer ist als bei den übrigen Betonen. Bei den MHK-Betonen und dem Referenzbeton wurden vor Beginn der FTW keine Unterschiede im Sättigungszustand beobachtet. Dies deutet darauf hin, dass durch die MHK sowohl die Austrocknung als auch die kapillare Wasseraufnahme im Vergleich zu Luftporenbeton geringer ist.

Nach Beendigung der FTW liegt der höchste Sättigungsgrad beim Referenzbeton vor. Es folgen die MHK-Betone mit 1,5 bzw. 3,5 kg/m³ sowie der LP-Beton. Der Referenzbeton hat während der FTW den höchsten Zuwachs zu verzeichnen, während bei den MHK-Betonen und dem LP-Beton kein Unterschied vorhanden war. Durch die MHK wird die Wasseraufnahme während einer Frost-Tau-Beanspruchung wie beim klassischen LP-Beton reduziert.

Bild 5 fasst die Ergebnisse der Entwicklung des dynamischen E-Moduls und der Abwitterung im CIF-Test zusammen. Der Referenzbeton unterschreitet das BAW-Kriterium des dynamischen E-Moduls nach etwa 16 FTW. Dies steht in Übereinstimmung mit der Betonzusammensetzung, die ohne LP bzw. MHK nicht den Anforderungen für die Expositionsklasse XF3 entspricht. Die Betone mit LP und MHK zeigen dagegen über die gesamte Prüfdauer keine Veränderung des dynamischen E-Moduls. Die Ursache für das unterschiedliche Verhalten liegt in der reduzierten Wasseraufnahme der Betone mit MHK und künstlichen Luftporen und vermutlich auch in einem durch die künstlichen Luftporen und die MHK erhöhten kritischen Sättigungsgrad, ab dem eine Schädigung des Betons möglich ist.

Die Anforderungen an die Abwitterung werden von allen Betonen eingehalten. Insgesamt wird der mit dem CIF-Test ermittelte Frostwiderstand in diesem Fall bereits mit einer MHK-Zugabe von 1,5 kg/m³ sichergestellt. Die Untersuchungen zeigen, dass mit MHK ein gleichwertiger Frostwiderstand wie mit klassischem LP-Betonen erzielt werden kann. Die dazu erforderliche MHK-Zugabe kann deutlich unterhalb der Maximaldosierung von 3,5 kg/m³ liegen. Die erforderliche MHK-Dosierung zur Sicherstellung des Frostwiderstands muss im Rahmen der Eignungsprüfung ermittelt werden.

Die Aussagekraft der LP-Kennwerte, die für herkömmlichen Luftporenbeton gelten, ist vermutlich auf MHK-Betone nicht direkt übertragbar, da das durch die MHK für einen ausreichenden Frostwiderstand erforderliche Porenvolumen deutlich geringer ist als bei klassischem Luftporenbeton. Trotz unzureichender „LP-Kennwerte“ wiesen die Betone im CIF-Test einen ausreichenden Frostwiderstand auf.

Bild 5: Entwicklung des relativen dynamischen E-Moduls und der Abwitterung im CIF-Test

3.6 Frostwiderstand unter besonderen Herstellbedingungen

Bei den Untersuchungen zum Aufschwimmverhalten wurden im CIF-Test wie bereits bei den Frischbetonuntersuchungen keine Auffälligkeiten beobachtet. Insgesamt zeigt die Untersuchungsreihe, dass eine Beeinträchtigung des Frostwiderstandes durch ein etwaiges Aufschwimmen der MHK bei den hier untersuchten Konsistenzbereichen eher unwahrscheinlich ist. Wichtig erscheint hier, dass der Beton an sich entmischungsstabil ist.

Der Einfluss einer hohen Mischintensität führt zu einem abfallenden dynamischen E-Modul (siehe Bild 6). Das Prüfergebnis des an sich frostbeständigen MHK-Betons ändert sich durch den intensiven Mischvorgang von „bestanden“ in „nicht bestanden“. Bei der Variante mit Stickstoffkühlung ist im CIF-Test eine durch den dynamischen E-Modul abgebildete einsetzende Schädigung zwar zu beobachten, die Anforderungen werden aber deutlich eingehalten. Die Ergebnisse deuten jedoch an, dass durch den Kühlvorgang und die dazu erforderliche Mischdauer eine Beeinträchtigung der Wirksamkeit der MHK grundsätzlich möglich ist.

Auf die Abwitterung im CIF-Test hatten die besonderen Herstellbedingungen keinen wesentlichen Einfluss, da bereits der Referenzbeton ohne MHK nur vernachlässigbare Abwitterungen aufgewiesen hat.

Beim Bauteilversuch wurde der Beton vor und nach einem Pumpvorgang untersucht. Der Beton wies eine sehr weiche bis fließfähige Konsistenz auf. Wie bereits aus den Frischbetonuntersuchungen hervorging, wurde auch bei den CIF-Tests keine Beeinträchtigung festgestellt.

Weitere durchgeführte Untersuchungen deuten an, dass durch die MHK der kritische Sättigungsgrad, bei dem eine Frostschädigung eintreten kann, hin zu größeren Sättigungsgraden verschoben wird. Hintergründe hierzu enthält der FuE-Bericht.

Bild 6: Einfluss eines intensiven Mischvorganges und einer Stickstoffkühlung auf den relativen dynamischen E-Modul

4 Zusammenfassung

Ziel der Untersuchungen war es, Eigenschaften von Betonen mit Mikrohohlkugeln (MHK) zu untersuchen und den Einsatz von MHK als mögliche Alternative zu klassischem Luftporenbeton zu bewerten. Derzeit ist der Einsatz von MHK über Allgemeine Bauaufsichtliche Zulassungen (abZ) des DIBt geregelt.

Die Druckfestigkeit der untersuchten MHK-Betone lag etwa 15 bis 20 % unterhalb der Referenzbetone ohne MHK bzw. LP-Bildner. Die Festigkeitseinbußen sind bei MHK-Betonen geringer als bei LP-Betonen. Weitere Festbetoneigenschaften wie die Wasseraufnahme und das Porengefüge wurden ebenfalls untersucht. Die Kennwerte der MHK-Betone liegen eher im Bereich der Referenzbetone als im Bereich der LP-Betone. Die Untersuchungen mit dem CIF-Test haben gezeigt, dass mit MHK ein gleichwertiger Frostwiderstand wie mit klassischen LP-Betonen erzielt werden kann. Dazu ist eine betonspezifische Dosierung der MHK erforderlich. Untersuchungen unter besonderen Herstellbedingungen weisen darauf hin, dass eine Beeinträchtigung der Wirksamkeit der MHK eintreten kann, wenn der Frischbeton einer intensiven mechanischen Beanspruchung beispielsweise durch Mischwirkung ausgesetzt ist. Dies kann durch Frisch- und Festbetonprüfungen erfasst werden und ist im Rahmen der Erstprüfung zu berücksichtigen.

Eine Verwendung von MHK-Betonen im Rahmen von Baumaßnahmen gemäß ZTV-W LB 215 bzw. 219 ausschließlich auf Basis der abZ des DIBt ist nicht möglich, weil die Nachweise gemäß abZ zur Sicherstellung eines ausreichenden Frost- bzw. Frost-Taumittel-Widerstandes nicht den Anforderungen der genannten Regelwerke genügen.

Die reinen Materialkosten der MHK sind höher als die von konventionellen Luftporenbildnern. Vorbehaltlich einer projektbezogenen Einzelprüfung wären derartige Betone technisch und wirtschaftlich wohl weniger bei großen Kubaturen wie bei Schleusenkammerwänden als vielmehr bei geringeren Betonmengen wie beispielsweise bei Betonvorsatzschalen gemäß ZTV-W LB 219, bei denen der Aufwand zur Sicherstellung eines angemessenen Luftgehaltes in Bezug auf die verbauten Betonmengen vergleichsweise hoch ist, interessant. Die Untersuchungen haben gezeigt, dass der Einsatz von MHK unter den Randbedingungen des Verkehrswasserbaus erfolgversprechend sein kann. Weitere Erfahrungen für die WSV könnten z. B. im Rahmen von durch die BAW begleiteten Pilotprojekten (z. B. Bauteile oder -abschnitte im Rahmen einer Gesamtmaßnahme) vergleichbar mit dem Vorgehen in den 1980er Jahren, gesammelt werden.

5 Literatur

ASTM C 173/C 173M:2009 – Standard Test Method for Air Content of Freshly Mixed Concrete by the Volumetric Method

BAW (2004): Merkblatt Frostprüfung von Beton (BAW- Merkblatt „Frostprüfung“), Bundesanstalt für Wasserbau, Karlsruhe, Hamburg, Ilmenau

BMVBS-Arbeitsgruppe „STLK im Wasserbau“ (2008a): Zusätzliche Technische Vertragsbedingungen – Wasserbau (ZTV-W) für Wasserbauwerke aus Beton und Stahlbeton (Leistungsbereich 215), Ausgabe 2004 und 1. Änderung Dezember 2008

BMVBS-Arbeitsgruppe „STLK im Wasserbau“ (2008b): Zusätzliche Technische Vertragsbedingungen – Wasserbau (ZTV-W) für Schutz und Instandsetzung der Betonbauteile von Wasserbauwerken (Leistungsbereich 219), Ausgabe 2004 und 1. Änderung Dezember 2008

DAfStb (2005): DAfStb-Richtlinie Massige Bauteile aus Beton, Ausgabe März 2005. Deutscher Ausschuss für Stahlbeton, Berlin

DIN (2001): DIN EN 206-1:2001-07. Beton - Teil 1: Festlegung, Eigenschaften, Herstellung und Konformität; Deutsche Fassung EN 206-1:2000, Beuth Verlag GmbH, Berlin

DIN (2008): DIN 1045-2:2008-08 – Tragwerke aus Beton, Stahlbeton und Spannbeton – Teil 2: Beton – Festlegung, Eigenschaften, Herstellung und Konformität – Anwendungsregeln zu DIN EN 206-1, Beuth Verlag GmbH, Berlin

Dörfel, S.; Löschnig, P. (2010): Beton mit Mikrohohlkugeln – eine Alternative zu Luftporenbeton? In: Frost- und Frosttausalzangriff auf Beton, 39. Aachener Baustofftag, Aachen, 25. März 2010, 4 Seiten, Institut für Bauforschung, Aachen

FGSV (2004): Merkblatt für die Herstellung und Verarbeitung von Luftporenbeton. Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen e.V., Köln

Spörel, F.; Westendarp, A. (2010): Untersuchungen zum Einsatz von Mikrohohlkugeln in Beton als Alternative zum Luftporenbeton. Abschlussbericht zum FuE-Vorhaben A39510370002, Bundesanstalt für Wasserbau, Karlsruhe, Hamburg, Ilmenau

Ansprechpartner

Dipl.-Ing. Frank Spörel
Abteilung Bautechnik
Referat B3 Baustoffe
Tel. 0721 9726-5850
Fax: 0721 9726-2150
E-Mail: frank.spoerel@baw.de

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